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Das schwache Geschlecht

Sind Hormone und Chromosomen verantwortlich für die kürzere Lebenserwartung?

In fast allen Ländern leben Frauen länger als Männer, in vielen Gesellschaften volle sieben Jahre. Es beginnt schon im Mutterleib und setzt sich fast das ganze Leben fort. Männer sind weniger robust als Frauen und leben auch weniger lang. Von Natur aus sind sie das schwache Geschlecht.

Liegt es da...ran, dass Männer mehr Alkohol trinken, fettere Speisen essen, häufiger Unfälle erleiden, eine höhere Selbstmordrate haben und seltener zum Arzt gehen? Primar Dietmar Geissler, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung des Klinikum-Klagenfurt am Wörthersee macht für die gesundheitliche Überlegenheit der Frauen unter anderem das X-Chromosom verantwortlich. Frauen haben bekanntlich zwei X-Chromosomen, Männer ein X und ein Y.

Aufgrund der biologischen Überlegenheit sterben weibliche Föten weitaus seltener ab als männliche. Wenn ein X-Chromosom Mutationen aufweise, würden diese durch das zweite X ausgeglichen.

„Das Y-Chromosom ist unvollständig und fürs Überleben nicht wichtig, der Organismus der Männer ist dadurch fehleranfälliger“, so Primar Geissler.

Wenn Männer Stress haben, krampfen sich ihre Gefäße zusammen, ein Herzinfarkt kann die Folge sein. Frauen weisen eine bessere Ausschüttung von Stickoxid auf, das die Gefäße entspannt. Das bedeutet, das Herz-Kreislauf-System von Frauen wird weniger belastet. Auch der Fettstoffwechsel wird durch das Hormon Östrogen positiv beeinflusst, dadurch haben Frauen weniger Cholesterin, weniger häufig Bluthochdruck und damit verbunden ein deutlich geringeres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden als Männer.

Die Frauen sind auch bei der Gehirnentwicklung im Vorteil. Die Regenerationsfähigkeit der Hirnstammzellen funktioniert hormonell bedingt bei Frauen besser.
Mit dem Klimakterium, wenn die schützende Wirkung der Östrogene wegfällt, gleichen sich diese Vorteile wieder aus.

Es gehen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen sprunghaft hinauf. Generell sollte man sich daher nicht auf Chromosomen oder Hormone verlassen. Denn auch der Lebenswandel, das soziale Umfeld, das Einkommen und damit verbunden der Zugang zur Gesundheitsversorgung bestimmen Wohlbefinden und Lebenserwartung.